Ein ganz normaler Mitarbeiter

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Christian Huber (links) gilt nach einem Autounfall als schwerbehindert. In seiner Firma ist er aber ein wichtiges Mitglied des Teams. Unser Bild zeigt ihn mit seinem Kollegen Andreas Huber (rechts). Foto: Manfred Jörg

Integration Christian Huber ist behindert - in seiner Firma spielt das keine Rolle

Seit 1993 wird der 3. Dezember als Internationaler Tag der Menschen mit Behinderung begangen. Aus diesem Anlass berichten wir über einen jungen Mann, der nach einem Unfall als schwerbehindert gilt und dennoch fest ins Arbeitsleben integriert ist.

VON MANFRED JÖRG

Erkheim Sein Arbeitsplatz befindet sich nicht irgendwo in einem versteckten, geschützten Winkel der Fertigungshalle. Nein, Christian Huber sitzt mittendrin. Dort, wo die Maschinen rauschen und gerade die Rolling Stones im Radio laufen. Der 29-Jährige ist ein ganz normaler Mitarbeiter der Firma Rothenaicher Schneidwerkzeuge (RS) in Erkheim.

Und das, obwohl er als schwerbehindert gilt. Rückblende: Es ist der 13. April 2007. Christian Huber, der sich kurz zuvor für den Meisterkurs angemeldet hat, erleidet bei einem Autounfall schwerste Verletzungen. Er wird fortan bleibende Probleme beim Sprechen, mit dem Gleichgewicht und der Grobmotorik haben. Für seinen Chef Stefan Rothenaicher spielt das keine Rolle. Er weiß, was er an seinem Mitarbeiter hat, der seit Oktober 2004 bei ihm beschäftigt ist; der bei ihm seine Ausbildung zum Schneidewerkzeugmechaniker gemacht hat.

Rothenaicher und Huber sitzen an diesem Vormittag an dem Tisch, an dem normalerweise die Kollegen Brotzeit machen, und erinnern sich - an das Jahr 2008, als der schwer Verunglückte nach mehr als einem Jahr im in die Firma zurückgekehrt ist - damals noch im Rollstuhl und halbseitig gelähmt. "Ich habe die Hoffnung nie aufgegeben und immer gedacht: Das wird schon wieder werden", sagt Huber. Und Rothenaicher ergänzt: "Sein Ehrgeiz hat ihn schon früher ausgezeichnet." Was den Chef auszeichnet, ist, dass er seinen langjährigen Mitarbeiter nicht im Stich gelassen hat und zu ihm gestanden ist. "Ich habe von Anfang an gesagt: Wenn es bei Christian geht, dann soll er bei uns bleiben."

Schnell wird Rothenaicher jedoch klar: Huber, der auch eine zusätzliche Ausbildung als Zimmerer absolviert hat, kann nicht mehr alles machen, was er noch vor seinem Unfall erledigt hat. "Denn wir stellen technisch hochwertige Sonderwerkzeuge her. Dabei wird im Tausendstel-Millimeter-Bereich gearbeitet", erläutert der Inhaber des mittelständischen Betriebes mit insgesamt 14 Mitarbeitern.

Wichtiger Teil des Teams

Für das gesamte Team steht außer Frage: Der Christian ist ein wichtiger Bestandteil und wird weiterhin gebraucht. "Er erledigt jetzt halt andere Dinge als früher und benötigt auch mehr Zeit", erklärt Rothenaicher und macht dabei deutlich, dass das überhaupt kein Problem sei. Huber kümmert sich heute um vorbereitende Arbeiten und kontrolliert die Ergebnisse seiner Kollegen. Er ist 80 Stunden pro Monat in der Firma, die sich in feste und flexible Zeiten aufgliedern.

Gut viereinhalb Jahre nach dem Unfall kommt Christian Huber heute wieder ganz allein mit dem Fahrrad zur Arbeit. Und auch zum Klettern geht er - vorerst jedoch in einer Halle in Ottobeuren. "Es ist ein langwieriger Prozess. Aber er macht viele Fortschritte. Man muss Geduld haben", sagt Chef Rothenaicher. Er bringt diese Geduld gerne auf. Auf weitere Sonderbehandlungen verzichtet Rothenaicher bei Christian Huber und erwartet auch von ihm Einsatz und Leistungsbereitschaft.

Denn bei der Erkheimer Firma RS ist er ein ganz normaler Mitarbeiter.

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